Resilienzbasierte Führung

Ein Gefühl von Sicherheit schaffen

Rasanter technologischer Fortschritt verändert unser Umfeld in beispiellosem Tempo. In dieser Ära sticht ein entscheidender Faktor für erfolgreiche Führung hervor: Resilienz. Aber was genau bedeutet „resilienzinformierte (Selbst-)Führung“, und wie können wir sie in uns selbst und unseren Organisationen kultivieren? Ende Juni 2025 wurde ich von der International Coaching Federation eingeladen einen Vortrag zu halten und teile gern Einblicke hierzu.

Wandel von Kompetenzen.

Das World Economic Forum hebt in seinem "Future of Jobs Survey" die als am wichtigsten erachteten Fähigkeiten für die Zukunft hervor. Während "KI und Big Data" naturgemäß eine prominente Rolle spielen, werden "Resilienz, Flexibilität und Agilität" als Kernkompetenzen genannt, die bereits jetzt unerlässlich sind und voraussichtlich bis 2030 weiter an Bedeutung gewinnen werden [1]. Dies unterstreicht die entscheidende Notwendigkeit, diese Fähigkeiten in uns selbst und in Teams zu fördern, während wir uns in einer zunehmend komplexen Welt zurechtfinden.

Das Nervensystem in Zeiten des Wandels

Um Resilienz zu fördern, ist es hilfreich zu verstehen, wie unser Körper und Geist auf Stress und Veränderungen reagieren. Unser autonomes Nervensystem spielt eine entscheidende Rolle für unser Sicherheitsgefühl und unsere Anpassungsfähigkeit. Es benötigt Kontext, Wahlmöglichkeiten und Verbindung, um sich sicher und reguliert zu fühlen. Zudem nimmt es unbewusst Informationen wahr und reagiert darauf – ein Prozess, der als Neurozeption [2] bezeichnet wird. Es reagiert dabei in einer Hierarchie von drei Zuständen.

  • Gefahr: Ein Zustand, der durch mobilisierte Aktion gekennzeichnet ist. Hier schalten wir in einen „Kampf-oder-Flucht“-Modus um, um uns auf Handlung oder Flucht vorzubereiten.
  • Sicherheit: Ein regulierter Zustand der „Homöostase“. In diesem Zustand fühlen wir uns sicher, sozial, engagiert und verbunden. Unsere „Sicherheitszone“ unterstützt uns in Zeiten des Wandels. Die Fähigkeit, emotionale Reaktionen auf Veränderungen (Angst, Furcht, Frustration) zu steuern, ermöglicht effektive Anpassungsprozesse und fördert die emotionale Regulation. Wenn wir uns nicht in einem Bedrohungszustand befinden, sind unsere Gedanken offener, was die innere Flexibilität fördert. Ein Gefühl der Sicherheit ermöglicht kollaborativere Interaktionen und stärkt das soziale Engagement.
  • Lebensbedrohlichkeit: Dieser Zustand beinhaltet Immobilität, Abschaltung oder Zusammenbruch. In unseren Sicherheitszonen zu sein, kann die soziale Interaktion in Zeiten des Wandels verbessern. Individuelle Sicherheitszonen spiegeln unser autonomes Nervensystem wider. Die Kraft der Selbstregulation [3] ist entscheidend für Resilienz und Führung und hat drei Schlüsselaspekte: Selbstbestimmung (Planung und Verhalten gemäß den eigenen Motiven und Werten), Selbstmotivation (Erzeugung positiven Affekts und der notwendigen Energie für Handlungen), Selbstberuhigung (Herunterregulierung negativer Affekte und Aufrechterhaltung des Selbstzugangs).

Praktiken zur (Selbst-)Führung

Resilienz, Flexibilität und Agilität sind entscheidende Fähigkeiten, und Praktiken der Selbstführung können direkt ein Gefühl der Sicherheit in uns selbst und unseren Teams fördern. Hier sind einige Beispiele:

Dinge dich ich selbst machen kann

Dinge die ich mit anderen machen kann

Jede Stunde eine Pause

Mich selbst orientieren ("was sehe ich, was fühle ich, was höre ich?)

Meetings nicht zur vollen Stunde starten

Arbeitstage ohne Meetings

Kalendereintrag um aufs eigene Wohlbefinden zu fokussieren

Community of practice (z.B. Coaching)

Sportangebote

Inneres Reset ("Erdung")

Über eigene Routinen sprechen

 

Letztendlich stellt sich die Frage: Welche Schritte kann ich unternehmen, um eine Kultur zu schaffen, in der sich Menschen – einschließlich mir selbst – sicher und stabil fühlen und miteinander verbunden sein können? Indem wir unser Nervensystem verstehen, Selbstregulation kultivieren und diese resilienzfördernden Praktiken anwenden, können wir uns selbst und unsere Teams effektiv durch die aufregende, aber auch herausfordernde Zukunftslandschaft führen.

 

Quellen

de_DEDeutsch